Eins Zwei ... Frei !

Eine Familie auf Herzensreise
Familienleben

Venedig, meine Liebe?

9. Januar 2018
Sunset

Ich sitze gerade in unserer Ferienwohnung in Sal Rei, einer Stadt auf der Insel Boa Vista, Kap Verde. Ferienwohnung? Kap Verde? Was ist denn da los? Und wo ist das Wohnmobil? Fragen über Fragen… Doch fangen wir vorne an!

Buon giorno Italia!

Ich habe seit unserem Abschied aus Deutschland keinen Beitrag mehr verfasst. Irgendwie fehlte mir die Muße zum Schreiben. Ich musste mich erst einmal selbst finden. Das Leben im Wohnmobil wurde immer mehr zum Alltag und trotzdem war alles neu und spannend. Die Kinder und ich mussten unsere Routinen (wieder)finden. Nebenbei arbeiten wir noch an unserer Selbstständigkeit, ein Projekt, was ich euch im Laufe der nächsten Zeit noch vorstellen werde! Und so blieb der Blog erstmal liegen. Aber wie sagt man so schön? Neues Jahr, neues Glück! Der Blog wird nun stetig mit neuen Posts gefüttert werden.

Alltag kehrt ein

Nach München führte uns unser Weg über den Brenner nach Italien und dann weiter nach Cavallino Treporti. Wir steuerten einen großen Campingplatz direkt am Strand an und blieben dort für knapp 14 Tage. Es war eine große Anlage mit Supermarkt, Pool und Restaurant. Wir genossen die noch vorhandene Wärme und die Sonne. Tammo und Erik gingen im Meer schwimmen. Ansonsten bauten wir viele Sandburgen und sammelten Muscheln. Recht unspektakulär. Dann kam der Nebel, der sich hartnäckig hielt, und die Nächte wurden durch das ständige Getröte der Nebelhörner sehr unruhig. Aber auch das hörte irgendwann wieder auf. Es kehrte so langsam Alltag ein. Es ist ja keine Urlaubsreise für uns. Erik muss, wie jeder Angestellte, normal arbeiten, auch wenn er dabei ab und zu in der Sonne sitzen kann. Ich muss alle Dinge erledigen, die in einem Haushalt so anfallen. Kochen, abwaschen, Wäsche waschen, oft auch per Hand. Was ich erstaunlicherweise sehr gerne tue. Ich weiß nicht, warum, aber Wäsche per Hand waschen macht mir Spaß. Urlaub ist das Ganze trotzdem sicherlich nicht. Eher normales Leben an Plätzen, wo andere Urlaub machen. Trotzdem gönnen wir uns zwischendrin doch ein paar typische Touristentage…

Ah, Venedig! oder doch nicht?

Turm in Venedig
Markusturm im Nebel

Natürlich sind wir auch für einen Tag nach Venedig gefahren. Stilecht mit dem Wassertaxi. Ich war noch nie dort und war sehr gespannt auf die berühmte Stadt der Liebe. Was soll ich sagen? Wieso Venedig für sooo romantisch gehalten wird, hat sich mir nicht erschlossen. Wir waren mitten in der Woche außerhalb der Ferien da und trotzdem war es einfach nur voll. Wie voll ist die Stadt dann bitte in der Hochsaison? Wir hatten uns nur wenige Sehenswürdigkeiten ausgesucht, denn wir wollten uns und unsere Kinder nicht überfordern oder hetzen. Als erstes stand der Dom an. Nun ja, ich bin sehr froh, dass wir dafür kein Geld ausgegeben haben, sondern es bei den Sachen belassen haben, die kostenfrei sind. Es war im Markusdom dunkel, so dunkel, dass man kaum etwas von den hochgelobten Decken gesehen hat. Überall standen Schilder, dass man bitte keine Erklärungen geben soll, damit es leise bleibt. Ganz toll mit Kindern, die doch einige Fragen hatte. Und hat man doch geredet, wurde man direkt von den Ordnungshütern böse angefunkelt. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Naja, so gestaltete sich der Besuch der Kirche sehr kurz und ich war ein wenig enttäuscht, denn ich besuche sehr gerne Kirchen. Ich genieße die andächtige Atmosprähe und die Ruhe dort.

 

fangfrischer Fisch
Fischmarkt in Venedig

Vom Dom gingen wir weiter zur Rialtobrücke und von dort aus zum Markt von Venedig. So viel frischen Fisch habe ich schon lange nicht mehr gesehen und ich fand es sehr schade, dass wir nichts mitnehmen konnten. Tammo und Lenya waren sehr beeindruckt von den ganzen Schwert- und Thunfischen. Nach dem Markt hatten wir Hunger und es trieb uns in ein sehr kleines Lokal mit nur fünf Tischen. Und keinem Wickeltisch. Wie es kommen musste, brauchte das Baby aber dringend eine neue Windel und ich verzog mich in eine Ecke auf dem Boden, um Lauri zu wickeln. Schon brauste die Kellnerin herbei und ich zog schon mal den Kopf ein. Ich war fest davon überzeugt, dass es nun Ärger gibt, weil ich das Baby im Speiseraum wickel, so kenne ich es aus Deutschland. Aber nein! Die Kellnerin entschuldigte sich lang und breit bei mir, dass sie keine andere Möglichkeit im Restaurant haben und es würde ihr sehr leid tun, dass ich nun auf dem Boden wickeln muss. Dies ist ein schönes Beispiel für die Kinderfreundlichkeit, die uns immer wieder in Südeuropa begegnet ist. Überall wird man angelächelt, an Kinderlärm wird sich kaum gestört und wenn ich für jedes Mal „Alles ihre Kinder? TOLL! Que bella familia!“ einen Euro bekommen hätte, hätten wir viel Eis essen gehen können. Wir sind noch nicht so lange unterwegs, aber das ist ein Punkt, der mir sehr aufgefallen ist.

Kinder willkommen?

In Deutschland hatte ich oft das Gefühl mit unseren Kindern irgendwie zu stören. Hauptsache sie sitzen ruhig in der Ecke und man bekommt nix von ihnen mit. Ich weiß noch eine Begebenheit, die bis heute Kopfschütteln bei mir auslöst. Ich war mit Tammo und Lenya einkaufen, beide waren müde und hungrig (scheiß Kombi) und wollten uuuunbedingt eine Riesenpackung Eis haben. Die wollte ich aber aus verschiedenen Gründen nicht kaufen. Beide waren darüber sauer und weinten. Verständlich! Da kam eine ältere Dame zu mir und ranzt mich an, dass wir ihr das ruhige Einkaufen versauen würden und den Kindern mal kräftig der Hintern versohlt gehöre! Ähm ja, ich hab ihr die passende Antwort gegeben und die Kinder waren so verdutzt, was die Frau denn wolle, dass sie aufgehört haben, zu weinen. Dieses Gefühl habe ich auf der Reise noch nicht einmal gehabt. Wir haben uns mit drei, als Julian dann da war, mit vier Kindern immer willkommen gefühlt.

„Elf Uhr!“  „Was ist um 11 Uhr?“

Chiesa di San Barnaba
Kirche von San Barnaba

Nach dem extrem leckeren Essen ging es weiter zur Chiesa di San Barnaba. Als großer Indiana Jones Fan wollte ich diese Kirche unbedingt sehen. Sie war die Kulisse der Bibliothek aus „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“. In einem kleinen Café direkt an der Kirche tranken wir dann einen Espresso. Tammo und Lenya rannten umher und spielten mit anderen Kindern. Nach der kleinen Stärkung ließen wir uns treiben und liefen einfach drauf los. Auf einmal waren die Handyakkus alle und wir mussten uns ganz oldschoolmäßig mit einer normalen Karte aus Papier orientieren! Geht immer noch! Wir sind noch auf ein kleines Museum gestoßen, in dem man Musikinstrumente anschauen konnte. Es war in einer alten Kirche, von denen gibt es wirklich eine Menge in Venedig, und der Eintritt war frei. Dann lief dort auch noch mein liebstes klassisches Stück als Hintergrundmusik. Pachelbels Kanon in D-Dur. Ich lieeeebe ihn!
Gegen Abend kehrten wir dann müde und erschöpft zum Campingplatz zurück. Die „Highlights“ wie Dogenpalast, den kostenpflichtigen Teil des Markusdoms und den Markusturm haben wir bewusst ausgelassen. Zu viele Menschen und zu wenig zu tun für kleine Kinder.
Mein Venedigfazit ist relativ ernüchternd. Nette Stadt, viel zu sehen, aber wieso sie die meist besuchte Stadt in Italien ist, bleibt mir ein Rätsel. Ich fand sie nun weder romantisch, noch hat sie einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Natürlich sind die Kanäle und der Labyrinthartige Aufbau einzigartig und beeindruckend. Aber viel Charme geht durch die massive Vermarktung und Touristenhascherei einfach verloren. Ich für meinen Teil muss nicht noch einmal hin. Fragt man unsere Kinder, was sie besondern beeindruckt hat, kommt von Tammo:“Die Polizeiboote und die Müllabfuhr!“ und von Lenya „Die U-Bahn!“ Äh ja, U-Boote sind mir nicht begegnet, aber vielleicht hab ich auch einfach nicht aufgepasst! Ich kann mir auf jeden Fall schönere Orte vorstellen, die man mit kleinen Kinder besuchen kann. Und wo zum Teufel waren die ganzen Tauben vom Markusplatz?! Wir haben dort nicht eine! gesehen. Venedig und ich werden aber auf jeden Fall keine Freunde werden, eher gute Bekannte…

Das lange Warten auf die Ferien

Häuser am Kanal
Altstadt von Peschiera del Garda

Nach unserer Zeit im Veneto sind wir an den Gardasee gefahren, genauer nach Peschiera del Garda. Dort blieben wir eine Woche lang. Ein nettes kleines Städtchen, aber eigentlich mussten wir nur irgendwie die Zeit bis zu den Herbstferien totschlagen. Julian wollte uns gerne  besuchen kommen. Das Treffen war in Mailand verabredet, dorthin waren die Flugverbindungen ganz günstig. Also saßen wir nun am Gardasee rum und warteten auf die Ferien. Über die Zeit dort gibt es nicht viel zu schreiben. Der Alltag hatte uns voll im Griff. Wir haben uns mal die Altstadt angesehen, die immerhin Weltkulturerbe ist und waren auf einem Spielplatz hoch oben über dem Ort. Die Aussicht auf die Alpen ist wirklich sehr schön. Ich sage da gerne „Urlaub für die Augen“ zu.
Von dort aus ging es dann endlich nach Mailand! Dazu verfasse ich noch einen eigenen Post, denn dort haben wir viel gemacht und erlebt! Es war so schön, meinen großen Sohn für eine Woche bei uns zu haben. Julian lebt nun seit zwei Jahren auf eigenen Wunsch bei seinem Vater und kommt uns in den Ferien besuchen. Als wir noch in Bovenden gewohnt haben, waren die Besuche regelmäßiger, meist alle 14 Tage für ein Wochenende. Aber bei der Ferienfrequenz sehen wir uns nun auch jetzt relativ viel und ich finde es schöner, Julian mehrere Tage hintereinander da zu haben, als immer nur 2 Tage am Wochenende. Nach einer schönen Woche brachten wir unseren Großen wieder zum Flughafen. Er flog in gen Heimat und wir fuhren nun weiter in Richtung Mittelmeer. Innerhalb von zwei Tagen ging es dann für uns nach Frankreich. Ciao Italia!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.