Eins Zwei ... Frei !

Eine Familie auf Herzensreise
Familienleben

Unsere erste kleine Reise oder „Hilfe, wie geht das?“

28. Juli 2017
Unser Wohnmobil auf dem Spielplatz

Möge die Reise beginnen

Da ist es endlich. Unser neues Zuhause für die nächsten Jahre. Einen Namen für den Weinsberg haben wir noch nicht, aber uns fällt bestimmt etwas ein. Kaum, dass wir das Wohnmobil hier stehen hatten, wollten wir unseren ersten Schritte als Camper gehen. Hier in der Nähe gibt es einen kleinen Bauernhof, der auch WoMo-Stellplätze hat. Gerade mal 25 Minuten weg, also ideal für eine erste kurze Reise.

Also haben wir schnell unsere Siebensachen ins Wohnmobil gebracht und sind losgefahren. Wir haben wirklich null Erfahrung in Sachen Camping. Ich hab bis jetzt noch nicht mal ne Nacht im Zelt geschlafen. Also hatten wir so unsere Probleme über die erfahrene Wohnmobilbesitzer wahrscheinlich nur lachen können. Im Nachhinein finde ich es auch sehr witzig. Kaum angekommen ging es auch schon los. Unsere Kinder mussten mal aufs Klo…

Problem Eins: Die Wasserpumpe

Tank auf, Wasser rein und schon hat man fließend Wasser. Das war zumindest meine Vorstellung. Gut, also Tank auf, Wasser einfüllen, Wasserhahn aufdrehen ….. und nix tut sich. Klospülung drücken und nix passiert. Und nun? Toller Start ins Nomadenleben. Meine Laune sank und ich hatte schon keine Lust mehr. Die Pumpe machte zwar Geräusche, aber nix passierte. Nach kurzer Recherche im Internet ergab sich, dass einfach Luft in der Pumpe war und wir mal kräftig an ihr wackeln sollten. Also wackelte mein Mann und schwupp, es floss Wasser. Manchmal kann es so einfach sein. Aber fließend Wasser ist ungleich warmes Wasser…

Problem Zwei: Kalt duschen ist kacke!

Wir haben einen Combiboiler für Heizung und Warmwasser. Einfach am Knopf drehen und hex hex, das Wasser soll warm werden und die Heizung das Womo nachts schön mollig warm halten. So sagte es uns der nette Herr bei der Übergabe des Wohnmobils. Also drehten wir den Knopf… und NIX passierte. Der Boiler zog zwar Wasser, aber es wurde nicht warm. Die Kontrolllampe leuchtete grün, also alles in Ordnung.

Hm, und nu? Irgendwann blinkte es mal gelb, aber nicht rot. Gelb = Aufheizen, Rot = Kaputt. Aber es blieb kalt und in der Nacht war ich froh, dass ich zwei Decken für mich und das Baby hatte. Wir wälzten die Betriebsanleitungen und fanden nix. Schöne Kacke.

Also wurde wieder Google befragt und da kam raus, dass der Boiler mir durch sein Geblinke etwas sagen möchte. Nämlich, dass er kein Gas bekommt. Wir suchten das Gasventil, öffneten es und NIX passierte. So langsam wurde ich ein wenig stinkig. Wir ließen das Gasventil nun in der richtigen Stellung stehen und warteten einfach ab, was der Boiler so machen würde. Nach einiger Zeit hörte es auf zu blinken und leuchtete nur noch gelb. “Aufheizphase” sagte mir das Handbuch. Und dann, tadaa, grünes Licht und warmes Wasser. Im Nachhinein haben wir herausgefunden, dass einfach Luft in der Leitung war. Das passiert wohl nach einer langen Standzeit und/oder Gasflaschenwechsel. Wieder was dazugelernt. Aber nun hatten wir schon mal warmes, fließendes Wasser. Wir näherten uns voller Funktionstüchtigkeit.

Problem Drei: Es werde Strom!

Packe immer ein ausreichend langes Kabel ein. 25m sind einfach zu kurz. Mehr muss ich hier nicht schreiben. Wir haben aber nette Menschen gefunden, die uns mit einer Kabeltrommel ausgeholfen haben. Danke sehr!

Problem Vier: Ein Kühlschrank sollte kalt werden, oder?

Unser Kühlschrank kann mit Gas, 12V Gleichstrom und 230V Wechselstrom betrieben werden. Wir probierten erstmal den Gasbetrieb. Knopf hier drücken und da drücken (wie bei der Übergabe gezeigt bekommen) und es passierte mal wieder NIX. So langsam fühlte ich mich ein wenig veräppelt. Aber auch hier war das Problem Luft in der Leitung. Nachdem die weg war, was wir durch Einschalten den Gasherdes schafften (ja, der funktionierte auf Anhieb), wurde auch der Kühlschrank kalt. Wir stellten ihn dann nach Lösung des Stromproblems auf 230V um und es klappte tadellos.

 

Alles gelöst!

Jetzt konnten wir duschen, abwaschen, nicht mehr frieren und kochen. Juhuu! Dann kann es ja losgehen mit dem Camperleben. Einem schrägen Leben, denn wir hatten keine Auffahrkeile dabei und das WoMo hatte Schieflage. Aber damit mussten wir nun wirklich leben, dafür haben wir keine Lösung gefunden. Woanders hinstellen ging nicht. Und bis darauf, dass ich nicht wirklich braten konnte, weil das Öl immer in eine Ecke floss oder ich nach dem Aufstehen das Gefühl hatte, auf hoher See zu sein, weil der Boden so schief war, war alles gut. Daran habe ich mich in den vier Tagen gewöhnt. Aber Auffahrkeile werden nun immer eingepackt, genau wie ein 50m-Kabel.

Unser Stellplatz und der Gockelhahn

Der ausgesuchte Bauernhof erwies sich als echter Glücksgriff. Die Leute waren nett, es gab viele Tiere, viel Grün und eine tolle Aussicht auf einen See. Unser Stellplatz war genau bei den Hühnern und den Ziegen. So wurden wir morgens vom Krähen der Hähne geweckt und unsere Tochter entwickelte bald ein lustiges Spiel. Jedes Mal, wenn sie einen Hahn hörte, antwortete sie mit “Gockelhahn”. Das begleitete uns durch den ganzen Kurztrip.

Unsere Kinder waren fast den ganzen Tag draußen unterwegs, sei es bei den Tieren oder auf den beiden Spielplätzen, die es gab. Sie spielten miteinander, meistens ohne sich zu streiten. Das Baby schlief oft friedlich in der Trage und ich hatte wirklich viel Zeit für mich. Auf dem einen Spielplatz gab es eine große Hollywoodschaukel. Die fand ich richtig klasse und schaukelte dort vor mich hin. Neben mir die spielenden Kinder und im Wohnmobil der arbeitende Mann. Dass mit dem mobilen Internet klappte nämlich ohne Probleme und so konnte Erik im Campingstuhl in der Sonne sitzen und arbeiten. Er arbeitet seit der Geburt vom Jüngsten schon im Home Office, aber die Feuerprobe für Unterwegs stand noch aus. Solange wir LTE-fähiges Handynetz haben, kann Erik arbeiten und wir hoffen nun einfach mal auf genügende Netzabdeckung.

Neue Bekanntschaften und Erfahrungen

Auf dem Bauernhof waren gleichzeitig mit uns ein paar Leute der Jokes Circusschule aus Bremen und so hatten wir immer was zu gucken. Auch durften wir die Jonglierbälle und die Diavolos ausprobieren und wurden fachkundig angeleitet. Es hat sehr viel Spaß gemacht und ich will nun auch ein Diabolo haben 🙂 Es war toll mit anzusehen, wie sich Tammo lange mit dem Diavolo beschäftigte. Lenya fand es eher lustig, die Jonglierbälle zu werfen und dann wieder einzusammeln. Für sie waren es dann später Eiskugeln und die Jonglierkeulen die Löffel. So wurde aus mir auch noch ein Clown, denn es sah sehr witzig aus, wie ich versuchte, ihr “Eis” zu essen.

Es gab noch ein großes Lagerfeuer mit Stockbrot backen. Eigentlich war es für Mittwoch angesetzt, aber das Wetter machte allen einen Strich durch die Rechnung. Denn es regnete wie aus Eimern. Es wurde auf Donnerstag verlegt. Also blieben wir einfach noch einen Tag länger. Da ist mir dann bewusst geworden, dass unser neues Leben sehr flexibel sein kann. An einem Ort ist es doof? Ok, fahren wir weiter. Hier ist es besonders schön? Also bleiben wir halt noch was.

Zusammenfassend fand ich unsere ersten vier Tage unterwegs sehr schön. Bei all den anfänglichen Schwierigkeiten, wo ich schon dabei war, alles zu verfluchen und mir der Gedanke kam “Aus was zum Teufel haben wir uns da eingelassen!?”, wurde es nach der Lösung der, im Endeffekt, Lappalien echt toll. Selbst den Regentag, wo wir viel im Wohnmobil waren, haben wir gut rumbekommen. Nur müssen wir echt mehr Beschäftigungen mitnehmen, kleine Spiele, Bastelsachen, Vorlesebücher. Wieder etwas gelernt.

Die Hausarbeit schrumpft auf ein Minimum zusammen und man hat viel mehr Zeit für einander. Ich hab schon lange nicht mehr so viel mit den Kindern spielen können. Tammo und Lenya waren sehr ausgeglichen, sie brauchen einfach die Natur und das Draußen sein, genau wie Baby Lauri. Die Tage haben wir eine wirkliche Entschleunigung gemerkt und der Stress der letzten Zeit wurde schlagartig weniger. Ein tolles Gefühl!

 

  1. Ja, die Flexibilität ist wirklich super! Das finde ich auch richtig schön!
    Beim Kühlschrank Gas Problem musste ich schmunzeln. Das haben wir auch erst vor ein paar Tagen probiert und es lief ganz ähnlich ab 🙂
    Wir brauchen allerdings wirklich fast nichts für die Kinder. Von den 2 Fächern mit Spielzeug wurde bisher höchstens die Hälfte genutzt. Das beste Spielzeug sind Stöcke, Steinchen und Matsch!
    Die Große nutzt auch Papier und Stifte, Schere, Klebeband. Beide spielen mit den ca 10 kleinen Autos. Am meisten haben sich bisher das Fahrrad und Laufrad gelohnt! Habt ihr auch Fahrzeuge mit?

    1. Wir haben ein paar Autos und Playmobilmännchen mit. Dazu Bücher, Tip toi, Bastelsachen und Spiele wie Uno. Und Sandspielzeug. Das war’s. Aber es wird, bis auf die Bücher und das TipToi, kaum genutzt.

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