Familienleben

Der Beginn der Reise … Auf geht’s!

11. August 2017
Sonnenuntergang

Packen und andere Schwierigkeiten

Der endgültige Abfahrtstermin rückte immer näher und wir begannen mit dem finalen Bestücken des Wohnmobils. Nach unseren zwei Kurztrips wussten wir nun so grob, was uns noch fehlt. Also wurde die Post arg beansprucht in der letzten Woche vor Abfahrt, denn wir bestellten so einiges. Kabel, Auffahrkeile, Wasserschlauch mit passenden Adaptern, einen Hocker zum sicheren Ein- und Aussteigen und noch ganz wichtig, einen Kindersitz, der für den Betrieb mit einem Beckengurt zugelassen ist. Das war gar nicht so einfach, da einen zu finden. Wir haben auf den vier Plätzen hinten im Wohnmobil zweimal einen 3-Punkt-Gurt und zweimal nur einen 2-Punkt-Gurt. Und da ich neben dem Baby sitzen muss, da wir sonst keine 5 Meter weit fahren können, blieb uns nicht anderes übrig, als eins der anderen beiden Kinder auf die rückwärtige Bank mit Beckengurt zu setzen. Nach langem Suchen haben wir schließlich einen Sitz gefunden. Vorwärtsgerichtet würde ich ihn nie im Leben benutzen, aber rückwärts ist er der Kompromiss zwischen sicher und zugelassen. Es ist der Britax Römer Eclipse. Es gibt nicht mehr viele Sitze für ein Anschnallen mit dem Beckengurt und ein Nachrüsten auf 3-Punkt-Gurt geht laut Händler nicht, da kein Platz für die Gurtbox ist.

Ein Zehbruch ist kein Beinbruch

In all dem Packstress passierte mir ein Malheur. Ich bin die Treppe runter gefallen. Dabei habe ich mir meinen rechten großen Zeh gebrochen. Und da ich ja keine halben Sachen mache, natürlich so kompliziert, dass ich operiert werden musste und nun schicke Drähte im Zeh habe. Einen Tag vor Abreise war OP-Termin und ich hatte echt Schiss. Am liebsten wäre mir eine Vollnarkose gewesen. Aber da ich stille und außerdem zwei Stunden nach der OP einen wichtigen Termin hatte, gab es nur eine örtliche Betäubung. Augen zu und durch.  Während der Operation durfte ich mein Handy dabei haben und so hörte ich einfach ein wenig Musik. Ich hätte auch auf Facebook surfen oder die ganze Zeit auf WhatsApp schreiben können, es hätte keinen interessiert. Es kam nur die Frage, ob ich einen Livestream schalten will. Schöne neue Welt! Nach zehn Minuten war der Spaß auch schon wieder vorbei und es war gar nicht so schlimm wie im Vorfeld befürchtet.

 

Ich kann mir trotzdem viele schönere Dinge vorstellen als nun mindestens sechs Wochen mit einem Vorderfußentlastungsschuh durch die Gegend zu humpeln. Die Zeit in Cuxhaven habe ich mir anders gewünscht. Dies ist ja unser Sommerurlaub. Im Sand oder gar im Watt kann ich mit dem Schuh kaum laufen. Die Kinder und mein Mann müssen also ohne mich an den Strand. Lange Wanderungen wurden mir ärztlich untersagt, aber spazieren gehen sei ok. Nun gut, nehmen wir die Mitte. Solange ich schmerzfrei bin, kann es ja nicht verkehrt sein. Wenigstens bin ich nicht mehr ganz so langsam wie zu Beginn. Da wurde ich von netten Omas mit Rollator überholt. Ähm … ok! Shit happens. Nebenbei muss ich mir nun auf der Reisestrecke Ärzte suchen, die die Nachkontrollen übernehmen und auch einen Platz zum Entfernen der Drähte. Aber da kann ich gleich schon mal üben, was die Organisation auf Reisen angeht.

Der Beginn der Reise, in kleinen Etappen

Der Abreisetag war ein Freitag. Wir starteten unsere erste Etappe von Osterode gegen Mittag Richtung Hameln. Dort besuchten wir eine Tante von Erik. Wir wurden herzlich empfangen und nett bewirtet. Vielen Dank noch einmal dafür! Am nächsten Tag wollten wir eigentlich nach Walsrode fahren, aber die Strecke war uns dann doch zu lange. Baby Lauri findet Autofahren noch nicht so toll und länger wie eine Stunde fahren wird für alle zum Stresstest. Also legten wir einen Stopp am Steinhuder Meer ein. Ich war noch nie da und es war sehr schön. Sonne, Wind und Wasser. Der Stellplatz, den wir uns ausgesucht hatten, war sauber und ordentlich. Doch spätestens hier fehlte uns unser Wasserkanister sehr. Den hatten wir nämlich in Osterode vergessen. Doch die allerbesten Schwiegereltern der Welt schickten ihn postalisch an meine Tante in Cuxhaven. Aber wir brauchten ja trotzdem Wasser zwischendurch. Erik fackelte nicht lange und fragte einfach unsere Stellplatznachbarn, ob wir uns ihren Kanister leihen könnten. Die sagten “Ja” und schon hatten wir Wasser im WoMo-Bauch. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft unter Campernachbarn haben wir schnell schätzen gelernt und finden es sehr angenehm. Es gibt immer ein nettes Gespräch oder man leiht sich schnell etwas, was man vergessen hat.

Am nächsten Tag ging es dann nach Walsrode zum Weltvogelpark. Die Überschwemmungen der letzten Woche zwangen uns zu ein paar kleinen Umwegen, aber wir kamen trotzdem flott voran. Wir verbrachten den Tag mit den Kindern im Park und genossen die Zeit. Auch wenn ich das Konzept Zoo und eingesperrte Tiere zur Belustigung schrecklich finde, so fand ich die Flugshow des Vogelparks toll. Durch den starken Wind hatten die Vögel mächtig zu kämpfen und ich wurde dreimal fast umgeflogen. Und so ein Condor ist schon ein echt gewaltiger Vogel. Aber er hat doch noch die Kurve bekommen und flog circa 10 Zentimeter neben mir vorbei. Das Gleiche gilt für die beiden Kraniche. Vielen Dank fürs nicht Umfliegen!

Gegen Abend fuhren wir dann noch nach Bremerhaven weiter, wo wir einen Stellplatz direkt am Hafen ansteuerten. Zwischen Weser und Doppelschleuse verbrachten wir die Nacht um am nächsten Morgen unsere letzte Etappe in Richtung Cuxhaven zu starten. Erik programmierte den Navi, baute ihn an die Scheibe und dann rief er nur “Mist!”. Er entdeckte einen Steinschlag in der Scheibe. Wir waren kaum drei Tage unterwegs und schon brauchten wir professionelle Hilfe. Wir entschieden, nach Cuxhaven zu fahren und den Steinschlag dort reparieren zu lassen. Kaum angekommen, telefonierte ich auch schon mit dem Reparaturdienst und bekam einen Termin zur mobilen Reparatur für den Mittwoch. Zwei Tage Wartezeit finde ich persönlich ok und wir stehen hier ja eh nur rum.

A propos stehen.. ich habe diesen Campingplatz schon im April gebucht, denn es ist hier in Cuxhaven gerade Hauptsaison und auf lange Rumsuchen hatte ich keine Lust. Wir stehen hier nun direkt am Spielplatz, was einerseits toll ist, denn die Kinder können einfach losmarschieren und sind direkt da. Andererseits ist es blöd, denn so ein Spielplatz nebenan macht echt ne Menge Lärm. Aber gegen 22 Uhr ist meist Ruhe. Gut, dass unser Babymann sich von Lärm unbeeindruckt zeigt. Naja, bei den Geschwistern ist das kein Wunder. Ich höre meine Kinder auch noch am anderen Ende des Campingplatzes spielen.

Unser Jahresurlaub beginnt

Nun verbringen wir unseren Jahresurlaub hier in Cuxhaven. Wir waren die letzten Sommer immer mindestens eine Woche hier, denn meine Tante wohnt hier. Und bevor wir nun länger unterwegs sind, wollte ich mich noch einmal richtig von ihr verabschieden. Ich habe als Kind meine Ferien oft bei ihr verbracht und an vielen Orten hier hängen Erinnerungen. Viele Jahre lang machte zeitgleich mit mir auch eine Familie aus Hagen ihren Urlaub hier und ich freundete mich mit der Enkelin an. Wir haben uns allerdings aus den Augen verloren. So freut es mich umso mehr, dass sie mit ihrem Mann und Kindern nun auch nach Cuxhaven kommt und wir uns wiedersehen können. Ich bin sehr gespannt, was die Zeit so gebracht hat und ob wir immer noch auf einer Wellenlänge liegen, so wie damals.

In Cuxhaven leben wir in den Tag hinein. Erik hat seinen Urlaub aufgeteilt, so dass er halbtags arbeitet und wir ab mittags gemeinsam losziehen können. Da mein Fuß doch ein Handicap darstellt, ist unser Radius beschränkt. Ich weigere mich nämlich beharrlich, im Bollerwagen in der Gegend herum gezogen zu werden. Da humpel ich lieber im Schneckentempo. Inzwischen sogar schon Rennschneckentempo. Wir waren in Duhnen, auf dem Wochenmarkt und am Fischereihafen. Wir besuchten einen Mittelaltermarkt, wo wir ein nettes Gespräch mit einer Frau hatten, die aus ihrer gesponnenen Wolle wirklich schöne Sachen strickt. Tammo hat erklärt bekommen, wie ein Spinnrad funktioniert und ich habe nun einen neuen Pullover 🙂 Tammo hat beim Böttcher auch einen Eimer gebaut. Dieser wird nun immer mit auf den Spielplatz genommen. Mal sehen, was länger hält, die gekauften oder der selbst gebaute Eimer.

Ich finde das Leben im Wohnmobil immer noch toll, auch wenn es einen dazu erzieht, alles gleich wieder wegzuräumen. Sonst bricht absolutes Chaos aus. Ist ja auch kein Wunder auf der begrenzten Wohnfläche. Wir sind noch dabei, für alles einen geeigneten Platz finden, aber ich denke, mit der Zeit wird sich das schon von selbst finden. Ich vermisse im Moment nichts und ich fühle mich glücklich. Es fühlt sich richtig an und ich glaube, dass der von uns gewählte Weg gut ist. Es kommen bestimmt auch Tage, an denen alles blöd ist. An denen die Wohnmobilroutine nervt und wir uns alle auf den Keks gehen. Aber das wir dann genauso dazugehören wie das Frühstücken draußen in der Sonne mit spielenden Kindern um einen herum oder die Sonnenuntergänge am Meer, die wir sehen werden. Den ersten davon haben wir schon geschafft und es war traumhaft.

Die erste Woche Cuxhaven ist auch nun auch schon wieder vorbei, mal sehen, was die zweite bringt.

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